Mannheim. Die Rettung der insolventen Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum ist gescheitert - trotzdem könnte auf dem bisherigen Brauereigelände in Mannheim perspektivisch wieder Eichbaum-Bier gebraut werden. Diesen Plan verfolgt aktuell der Pfälzer Unternehmer Roald Pauli, Chef der Brauerei Park & Bellheimer mit Sitz in Pirmasens.
Wie Pauli erklärt, verhandelt er derzeit mit der Eichbaum-Eigenverwaltung über die Rechte an der traditionsreichen Mannheimer Biermarke. Diese steht durch das bevorstehende Aus der insolventen Eichbaum-Brauerei zum Verkauf. Sollte Pauli den Zuschlag für die Markenrechte bekommen, will er nach eigenen Angaben weiter Eichbaum-Bier brauen – perspektivisch sogar wieder auf dem bisherigen Mannheimer Eichbaum-Gelände an der Käfertaler Straße.
Auch das Eichbaum-Brauhaus will Pauli einbeziehen
Dazu möchte er dort für mehrere Millionen Euro eine neue Brauerei aufbauen, „angepasst an die heutigen Absatzverhältnisse der Marke Eichbaum“. Pauli schwebt ein jährliches Volumen von 60.000 bis 70.000 Hektoliter Bier am Standort vor. Damit möchte er Gastronomie, Veranstaltungen und den Einzelhandel in der Region beliefern. Auch das Eichbaum-Brauhaus, also die Gaststätte auf dem aktuellen Mannheimer Brauereigelände, soll erhalten und in das Konzept einbezogen werden.
Das Mannheimer Eichbaum-Brauhaus in der Käfertaler Straße, im Hintergrund sieht man das anliegende Hochregallager und die Eichbaum-Verwaltung. © Alexander Jungert
Die bisherige Eichbaum-Brauerei hatte einen deutlich höheren Ausstoß – nach dem Karamalz-Verkauf immerhin noch rund 1,3 Millionen Hektoliter im Jahr. Der allergrößte Teil davon war allerdings Bier, das nicht unter der regionalen Marke Eichbaum verkauft wurde. Es ging stattdessen ins Ausland oder floss in Handelsmarken. Die regionale Marke Eichbaum selbst soll weniger als 100.000 Hektoliter umfasst haben – also nur einen Bruchteil des am Standort produzierten Ausstoßes.
Abgefüllt werden könnte das Mannheimer Bier in der Pfalz
Klar ist entsprechend, dass eine von Pauli geplante Mannheimer Brauerei, die sich rein auf die Marke Eichbaum fokussieren würde, deutlich weniger Personal hätte als die bisherige Eichbaum mit ihren zuletzt etwa 240 Beschäftigten. Auch eine Abfüllung würde es am Standort nicht geben, sie würde stattdessen bei Park & Bellheimer in der Pfalz stattfinden.
Die Eichbaum-Produktion an sich – mit Sudhaus, Gär- und Lagerkellern – müsse aus seiner Sicht aber in Mannheim angesiedelt sein, betont Pauli: „Eine regionale Markenstrategie braucht eine regionale Verwurzelung.“
Vorübergehend würde das Eichbaum-Bier allerdings trotzdem in der Pfalz gebraut: Denn bis wann eine neue, angepasste Produktion auf dem Mannheimer Areal stehen könnte, lässt sich Pauli zufolge zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. So sind auf dem Gelände ja erstmal noch die Strukturen der bisherigen, deutlich größeren Eichbaum-Brauerei angesiedelt: Direkt hinter dem Eichbaum-Brauhaus steht aktuell zum Beispiel ein riesiges Hochregallager, links neben der Gaststätte ist wiederum das Verwaltungsgebäude. Auf dem Areal stünden also zunächst entsprechende bauliche Veränderungen an.
„Wollen Eichbaum-Kunden langfristige Perspektive bieten“
Gleichzeitig habe man klar das Ziel, die bisherigen Eichbaum-Kunden – also Gastronomie, Veranstaltungen und den Handel in der Region – nahtlos mit Eichbaum-Bier weiterzuversorgen. „Wir wollen den Eichbaum-Kunden eine langfristige Perspektive bieten“, so Pauli. Wenn die insolvente Privatbrauerei Eichbaum ihre Produktion an der Käfertaler Straße wie geplant Ende September einstellt, will er deshalb in seiner Pfälzer Brauerei unmittelbar mit der Produktion und Abfüllung von Eichbaum-Bier beginnen.
„Auf dieses Szenario bereiten wir uns aktuell vor“, sagt Pauli. Auch der Zeitpunkt passe gut. „Die Hochsaison ist dann vorbei, ab Oktober ist es bei uns entsprechend wieder entspannter.“ Gleichzeitig werde bei Park & Bellheimer – die Brauerei hat einen Standort in Pirmasens und einen in Bellheim – aktuell stark investiert, unter anderem in einen neuen Drucktankkeller und eine neue Flaschenwaschmaschine. „Wir sind damit auf jeden Fall gut gerüstet für zusätzliches Volumen.“
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Die Mannheimer Traditionsmarke Eichbaum könnte künftig also von einem Pfälzer Unternehmer geführt werden – allerdings von einem, der mit der Mannheimer Brauerei eng verwoben ist: Pauli hat selbst fast drei Jahrzehnte bei Eichbaum gearbeitet, von den frühen 1980er Jahren bis Mitte 2010. Dann übernahm er im Zuge eines Management-buy-outs die Brauerei Park & Bellheimer, die früher ebenso wie Eichbaum zum Actris-Konzern gehörte. Das Pfälzer Unternehmen bringt es heute auf einen Jahresausstoß von rund 350.000 Hektolitern, wovon der Großteil – rund 220 000 Hektoliter – auf Bier entfällt. Der Rest sind alkoholfreie Getränke (Marke Bellaris).
Oberbürgermeister Specht: „Begrüßen es, wenn Marke in Mannheim bleibt“
Unterstützung bekommt Pauli bei seinen Plänen aus dem Mannheimer Rathaus: „Wir würden es natürlich sehr begrüßen, wenn die Marke Eichbaum in Mannheim bleiben und es hier auch noch eine Brauerei für den regionalen Bedarf geben würde“, erklärt Oberbürgermeister Christian Specht.
Ob es dazu tatsächlich kommt, hängt allerdings noch von einigen Voraussetzungen ab – allen voran, dass Pauli die Rechte an der Marke auch wirklich bekommt. Eichbaum-Co-Geschäftsführer Frank Reifel bestätigt auf Anfrage, dass entsprechende Gespräche mit dem Park-&-Bellheimer-Chef geführt werden. In den letzten Wochen hatte allerdings auch Max Spielmann, Chef der Plankstadter Welde-Brauerei, öffentlich potenzielles Interesse an der Marke bekundet.
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Letztendlich muss einem Verkauf der Markenrechte der Gläubigerausschuss zustimmen. Sein Fokus liegt wiederum darauf, dass bei der Verwertung der Eichbaum-Vermögenswerte die Interessen der Gläubiger bestmöglich befriedigt werden – sprich, der bestmögliche Preis erzielt wird.
Das gilt auch für den Verkauf des Eichbaum-Geländes. An diesem hat nach eigenem Bekunden nach wie vor der Klinikverbund Heidelberg-Mannheim Interesse. „Der Verbund der Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim ist in konstruktiven Gesprächen mit der Eigenverwaltung der Brauerei, da für die bauliche Entwicklungsperspektive des Klinikums weiterhin Interesse am Areal der Eichbaum-Brauerei besteht“, erklärt eine Klinikums-Sprecherin in Heidelberg auf Anfrage.
Zu weiteren Details – etwa der Frage, ob das Klinikum im Falle eines Grundstückskaufs bereit wäre, einen Teil des Geländes für eine dauerhafte Brauerei-Nutzung zu verpachten – äußert sich der Verbund nicht. Dem Vernehmen nach sollen die Pläne von Pauli mit denen des Klinikverbunds aber durchaus vereinbar sein.
Quelle:
https://www.mannheimer-morgen.de/wirtschaft_artikel,-regionale-wirtschaft-kuenftig-doch-noch-eichbaum-bier-aus-mannheim-_arid,2393412.html